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Bericht vom mittelalterlichen SM-Grillen Anfang September 2002

 

Teilgenommen haben nur sechs Leute aber denen hat es ziiiemlichen Spass gemacht. Konzipiert was das Ganze ja für bis zu dreißig TeilnehmerInnen, aufgeteilt in zwei Gruppen (aktive und passive) die mit einem vorgegebenen Spielziel quasi gegeneinander hätten spielen sollen. Die kopierten schriftlichen Unterlagen zum Spielablauf (historischer Hintergrund, Spielregeln und Erläuterungen) vorab durchzulesen scheiterte allenthalben daran, dass es bereits dunkel geworden war und es mit dem spärlichen Fackellicht zu mühsam gewesen wäre mehrere Seiten Text zu lesen. Also gab es nur ein paar mündliche Erläuterungen zum historischen Kontext und zum Spielablauf und dann die Frage: "Wer hat denn Lust in der aktiven Gruppe zu spielen??" Darauf meldeten sich sechs Leute, also Alle.

Per Dekret wurde dann bestimmt, dass diejenigen welche kein Fleisch zum Grillen mitgebracht hatten in der passiven Gruppe spielen mussten (egal ob sie überhaupt Gelegenheit zum Einkaufen gehabt hatten oder nicht). Das war dann aber auch schon Alles, was einigermaßen geregelt lief. Die SpielerInnen der passiven Gruppe leisteten zum teil derart heftigen Widerstand, dass es bei der aktiven Gruppe gleich zu Beginn einige Verluste gab; konkret einige nicht eingeplante Blessuren (blutig gebissener Finger, durch Fußtritt verstauchter Daumen). (Dafür mußte sie später dann aber büßen.) Diejenige die sich da so verbissen zur Wehr gesetzt hatte meinte ein paar Tage später: "Es war soo geil, RICHTIG überwältigt zu werden." Endlich war das um sich tretende und beißende Weib dann doch mit Kabelbindern gefesselt und konnte zum Verhör geschleppt werden. (okay Kabelbinder sind mittelalterlich betrachtet nicht sonderlich stilecht, Feuerzeuge aber auch nicht mit denen bei einer Befreiungsaktion dann die Kabelbinder wieder durchgebrannt wurden.)

 

Stilecht war hingegen das Outfit einer Spielerin der aktiven Gruppe, ein zwanzig Kilo schweres Kettenhemd. Schließlich wurden dann doch alle drei Mitglieder der passiven Gruppe im Turm an der Mauer oder am Balken festgemacht und verhört. Mit unterschiedlichen Ergebnissen: Eine die immer noch mehr Schläge abbekommen und trotzdem nicht reden wollte bzw nur beharrlich Desinformationen von sich gab; Eine die durch sehr lautes Wehgejammer und durch noch lauteres Absingen des Deutschlandliedes (und das in der Schweiz!) die Verhörer zu entnerven verstand; Einer der nach längerem Anwenden von Zuckerbrot und Peitsche schließlich die geforderten Informationen preisgeben mochte. Insgesamt hat das Ganze eine ungeheuer starke Dynamik gehabt, die den vorgesehenen Spielablauf und auch die Spielregeln ziemlich an den Rand gedrängt hat. (Eigentlich war es nicht vorgesehen, dass die Mitglieder der passiven Gruppe überhaupt Widerstand leisten.) Es ist nicht so abgelaufen wie geplant und keiner hat sich an die Regeln gehalten aber es hat allen enorm viel Spass gemacht.

Für die Zukunft müsste für solch ein Spiel entweder die gesamte Konzeption geändert werden, stärker berücksichtigt werden, dass die Leute einfach Lust haben sich zu wehren und sich schauspielerisch zu betätigen oder aber von vorneherein die Konzeption und die Spielregeln eindringlicher bekannt gemacht werden; so wie es lief konnten einige durchdachte Elemente im Ablauf des Spiels, die ziemlich interessant hätten werden können gar nicht stattfinden. Aber wir haben immerhin Erfahrungen für weitere Planungen sammeln können und festgestellt, dass da ein sehr grosses Potential an Spannung, Action/Dynamik und Spass/Lust drinsteckt. Wenn es so etwas nochmal gibt dann nächstes Jahr zum Sommeranfang wenn Alle tatsächlich auch mehr Lust haben draussen zu sein.

S.